Donnerstag, 31. Juli 2008

Kurz vorm Gipfel umgekehrt

Der „Kronprins Olavs Fjellet soll es heute sein. Mit seinen 1005 m Höhe verspricht er einen lohnenswerten Ausblick. Wie üblich in der glasklaren Luft scheint der Berg zum Anfassen nah. Aber erst müssen wir ca. 3 km über flache Tundra laufen, bevor es an den Aufstieg geht.

Die Sonne knallt vom Himmel, so dass Pullover und Jacken im Rucksack bleiben können. T-Shirts reichen. Und das in der Arktis! Je höher wir kommen, desto mehr Geröll erwartet uns. Teils fest, aber immer wieder bröckelig und lose. Wir weichen auf ein Schneefeld aus, da kommen wir besser hoch. 2001 waren wir schon einmal auf dem Gipfel – doch diesmal kehren wir ca. 150 m unterhalb um. Das Geröll ist uns zu rutschig geworden. Schade!

Nach einer heißen Dusche und einem guten Abendessen sitzen wir noch bis 01.00 Uhr nachts im Cockpit – bei voller Sonne! Währenddessen geht das Kreuzfahrtschiff „MS Europa“ in der Bucht vor Anker. Nun haben wir was zu gucken. Hunderte von Passagieren werden an Land gefahren. Es gilt die Hütte ("Lloyds Hotel") zu besichtigen, die von „Hapag Lloyd“ hier in den 20er Jahren errichtet wurde und seitdem u.a. von Schiffen dieser Reederei besucht wird. Natürlich gibt es an Land auch ein Barbecue. Mmmhhh, da hätten wir gerne mal gekostet. Nachts um 02.00 Uhr ist der Zauber vorbei, die „MS Europa“ geht Ankerauf und es ist wieder still – ganz still !

Sonntag, 27. Juli 2008

Reste deutscher Wetterstation aus dem 2. Weltkrieg

Wir laufen Signehamn im Krossfjord an. Hier gibt es Überreste einer deutschen Wetterstation aus dem 2. Weltkrieg. Beim Verlassen wurde diese zwar durch Granatenbeschuss zerstört. Es ist aufgrund des arktischen Klimas bisher nur wenig verrottet. Eher schon haben Touristen interessante Details mitgenommen. Aber bereits 2004 haben wir nach mühseligem Suchen im bergigen Hinterland 2 Depots und eine Sommerstation gefunden, wo noch sehr viel erhalten ist. Diese besuchen wir wieder und finden keine Veränderung. Pillendosen, Munitionskisten, emailiertes Geschirr, ein Schlitten. Reste der Wasserstoffanlage zur Befüllung der Wetterballons u.v.m. sind zu finden. Alles bleibt an seinem Platz, wir nehmen natürlich nichts mit. Auf Spitzbergen sind solche Hinterlassenschaften als Kulturgut geschützt.

Robbe auf Eis

2 Bartrobben haben wir heute eingefangen. Nein – natürlich nicht richtig. Nur mit der Kamera.

Auf Eisschollen lagen sie dick und prall in der Sonne. Knapp 2 m lagen zwischen ihnen und unserem Schlauchboot. Es hat in den Fingern gejuckt, sie mal anzufassen. Aber wir haben uns mit einem langen Fototermin zufrieden gegeben.

Viele Eisschollen, viel Abbrucheis vom Gletscher schwimmt in der Bucht. Mit lautem Donnern brechen einige große Teile der Gletscherkante ab. Dann herrscht wieder völlige Ruhe.

Freitag, 25. Juli 2008

Ein Landgang....

Wie muss man sich das nun vorstellen, wenn wir hier auf Spitzbergen an Land gehen?

Es ist da so Einiges zu bedenken, will man eine Situation, in der man auf Hilfe von anderen angewiesen ist, möglichst vermeiden. Hier eine Auszug aus einer Email von Martina an Ihre Freundin, in der sie dieses nicht ganz unaufwendige Unterfangen beschreibt:

Wanderklamotten an, Rucksack packen mit: Zusatzpullover und Regenjacke, Handschuhe und Mütze etc.,Satelitentelefon im wasserdichten Beutel,"Powerriegel! für den kleinen Hunger zwischendurch, Signalpistole mit Knallpatronen ( um den Eisbären erstmal ein bißchen zu erschrecken) klarmachen, diverse Ersatzpatronen in den Hosentaschen verstauen, nebst Sonnenbrille und Kompass, evt. Karte, Fernglas umtüdeln( um die weißen Tierchen auch in der Ferne ausmachen zu können)

Gewehr mit Munition versorgen, entsprechende Munition auch wieder - in diesem Falle in Michaels Hosentaschen verstauen -Kamerabeutel mit, Wanderstöcke mit

Sollten es dann weit zum Strand sein oder viel Welle, steigen wir erst noch in unsere orangefarbenen Überlebensanzüge , mit denen hält man es eine ganze Weile hier in dem eiskalten Wasser aus - (neben den Eisbrocken vom Gletscher).

Am Strand dann angekommen, erfolgt erst der obligatorische 360 Grad Rundumblick von uns (Eisbär?), Michael schultert das Gewehr und dann gehts raus aus dem Anzug und rein in die hoffentlich nicht an Bord vergessenen Wanderschuhe, Rucksack und Kamerabeutel werden verteilt und los gehts.

Ach ja, vorher noch das Beiboot ordentlich sichern und das 1 -Mann -Plastikpaddelboot ein paar Schritte abseits unterm Stein deponieren. Das ist so ein Ding, das man bei Bedarf aufpusten soll und das eine Person zum Schiff zurück bringen könnte ... für den Fall, dass ein Eisbär seine Krallen am Beiboot schärfen möchte. Im Schiff hätten wir dann noch ein zweites Beiboot als Ersatz.

Alles in allem ein immer recht zeitaufwendiges Vorhaben !

Donnerstag, 24. Juli 2008

Arktis pur

Typisch Spitzbergen: Alles dabei. Dicker Nebel, Nieselregen aber auch glasklare, sonnige Tage mit Sicht von "Pol zu Pol". Wir ziehen an der Westküste nach Norden. Nach Durchzug eines Regengebietes machen wir eine Wanderung durch eine vollkommen stille, melancholische Landschaft unter wolkenverhangenen Himmel. In den kleinen Seen und Flüssen spiegeln sich die grauen Berge. Eine Urwelt.

Die Walrosskolonie am Forlandsund laufen wir an. Nebelschwaden lassen die gewaltigen Tiere immer wieder nur schemenhaft erscheinen. Nebelschwaden steigen auch von Ihren Leibern auf. Das Grunzen, Schnaufen und Prusten dringt zu uns durch den Dunst. Einige Tiere baden, andere liegen faul am Strand herum.

Bei bestem, windstillen Wetter genießen wir die Aussicht auf die Westküste von der Insel Prins-Karls-Forland. Wir ersteigen einen Berg, wir wandern auf der vorgelagerten Küstenebene durch eine kilometerlange Steinwüste, die fast leblos daliegt. Durch jahrtausendelange Frosteinwirkung sind die kleinen flachen Steine zu einem festen Pflaster geworden. Genauso haben wir es auch in der Wüste Namibias gesehen.


Mit schönem Wind segeln wir weiter nach Norden in den Kongsfjorden. Unser Ankerplatz wird auf der einen Seite von einem Vogelfelsen und auf der anderen von einer Gletscherabbruchkante umfasst. Diese wird von der Abendsonne angestrahlt. Das Schreien der Dreizehenmöwen und Lummen ist deutlich zu hören. Tolle Berge gibt es drumherum. Wenn das Wetter passt, werden wir morgen vielleicht einen von ihnen besteigen...

Mittwoch, 16. Juli 2008

Wo bleibt der Wind ?

Gestern sind wir in Spitzbergen eingetroffen. Die Überfahrt von Stokmarknes
auf den Vesteralen direkt zum Bellsund war leider von sehr wenig Wind
geprägt. Unterwegs wurden die Windvorhersagen immer wieder nach unten
korrigiert, sodaß wir einen Großteil der Strecke motoren mussten. Die
Alternative in dem recht chaotischen Schwell mit schlagenden Segeln
rumzudümpeln wollten wir unseren Nerven nicht zumuten. Für Michael war es
die 11. Überquerung der Barentsee aber die, mit dem bei weitem schwächsten
Wind. Wozu hat man schließlich ein Maschinchen im Schiff ...

Das Wetter ist traumhaft und soeben haben wir bei Topsicht einen Berg von
565 Metern bestiegen. Aussicht auf Gletscher, Berge, Fjorde und nicht
zuletzt auf unser Schiff in schönstem Licht der Mitternachtssonne. Absolute
Windstille. Viele Rentiere am äsen, die neugierig näher kamen. Gänse,
Alkenvögel, Enten mit ihren Jungen. Ein Naturparadies.