Mittwoch, 27. August 2008

Tobermory


Für 2 Tage ist starker Südwestwind angesagt, also genau aus der Richtung, in die wir wollen. Schlecht für den Segler, der das Kreuzen meist vermeiden will. Engländer haben dafür den schönen Spruch: „Gentlemen don`t sail upwind“ – na ja, immer lässt es sich denn doch nicht vermeiden. Das Wetter: Regen in allen Variationen und anhaltend. Das wollen wir abwarten und verholen vom letzten schönen Ankerplatz bei Oronsay in die Bucht vor dem kleinen Städtchen Tobermory auf der Insel Mull.

Hier liegen viele Segelboote. Es herrscht ein ständiges“ Kommen und Gehen.“ Da der Ankergrund als sehr weich beschrieben ist, suchen auch wir uns mit skeptischem Blick eine freie Mooring. Unsere 25 t verlangen bei Wind eine starke Verankerung. Die üblichen Besuchermoorings sind nur für 15 t ausgewiesen. Vom sehr freundlichen Hafenmeister werden wir dann tags darauf an eine Mooring der Lifeboatgesellschaft verwiesen. An dieser können wir beliebig lange bleiben. Liegegeld wird nicht erhoben, die Männer der Lifeboat haben sich aber über unsere Spende gefreut. Alles sehr „relaxt“.

Von unserer Polaris haben wir einen schönen Blick auf die runde Bucht, die ringsum von bunten Häusern gesäumt ist. Viele kleine Cafes, Lokale und alle Shops für den täglichen Bedarf finden sich hier. Es herrscht ein quirliges Treiben. Die feuchtwarme Luft und die Gerüche erinnern fast an einen Hafen im Süden. Zudem hängt über allem ein eindringlicher Duft von Whisky aus der am Hafen gelegenen Destille. Schottland pur.

Eine kleine Radtour führt uns an die Nordspitze von Mull. Wie üblich, geht es hoch und runter. Dazu der kräftige Wind und schon hat man seine Sportstunde. Auch hier findet sich wieder eine Burg, oder Schloss ? Mit seinen vielen Türmchen und grauen Steinen liegt es direkt an der Küste. Weiter Ausblick. Meer, weite Wiesen. Schafe.

Als wir diese nette Bucht von Tobermory wieder verlassen, herrscht immer noch schottisches Wetter, wie man es sich vorstellt. Feinster Sprühregen, tief hängende Wolken. Wir gehen durch den Sund nach Süden. Mit uns eine beträchtliche Zahl weiterer Segler. Der Wind kommt von vorn, aber was auffällt ist, dass alle segeln. Keiner fährt mit Maschine gegenan, sondern es wird fleißig gekreuzt. Wir natürlich auch - von wegen : „Gentlemen don´t sail upwind“…

Dienstag, 19. August 2008

Rhuba Hurnawuy

Idyllisch liegen wir im Loch Ceann Dibig, gleich hinter der Sgeir Dhonnachaidh im East Loch Tarbert vor Anker. Auf dem Weg hierher von Stornoway, Hebriden hatten wir das Rhuba Hurnawuy, Rubha na Creige More, Gob na Milaid sowie das Gob Rubh Uisenius passiert. Beim Einlaufen die Untiefe Bogha lag na Laire und Sgeir Griaddach an Steuerbord gelassen, hinein ins Braigh Mor und schon waren wir im Loch.

Sollte der Leser die Namen laut aussprechen, könnte es ihm so ergehen wie uns: Krampf in Zunge und Kehle.

Hier auf den Hebriden gilt das alte gälisch noch etwas. Das "ch" wird sehr kehlig ausgesprochen, ähnlich wie im arabischen.

Von Lerwick, Shetlands waren wir nach Stornoway, Isle of Lewis eine Nacht durchgesegelt. Am Sonntag war der Ort wie ausgestorben. Aufgrund starken kirchlichen Einflusses haben Sonntags noch nicht einmal Restaurants und Cafe´s geöffnet. Selbst die Fähren fahren nicht. Auch Jogger sieht man nicht. Dafür bricht das Leben dann am Montag wieder richtig los. Die äußeren Hebriden haben sich noch einige Eigenarten erhalten. Hier wird der den bekannte Harris-Tweed noch in Heimarbeit aus der Wolle der vielen hier heimischen Schafe gewebt.

Auf dem weiteren Weg nach Süden haben uns bei achterlichem Wind viele Delfine begleitet. Einige hatten Junge dabei, die dicht an ihrer Mutter und sehr synchron schwammen. Hier in der Bucht sind Seehunde auf der Jagd.

Morgen geht es wohl weiter nach Süden. Wir werden Bogha Bocaig runden und dann Richtung Rhuba na h`Ordaig, Ru na Roideagich passieren und ...


Donnerstag, 14. August 2008

Lerwick - Shetland-Inseln

Nach 7 ½ Tagen und 1200 Seemeilen gehen wir früh morgens um 6:00 Uhr in Lerwick auf den Shetland-Inseln längsseits. Mit dem Etmal-Schnitt (Strecke in 24 Stunden) von 160 sm können wir ganz zufrieden sein. Meist hatten wir kräftigen Wind von achtern.

Hafenstimmung, Morgenruhe, einzelne Möwen, die Stadt schläft noch – Entspannung.

Wir legen uns auch auf`s Ohr – aber nach 2 Stunden geht´wieder hoch, unser Nachbar will los. Aber 2 Stunden ungestörter Tiefschlaf sind doch schon mal was. Stadtbummel, Menschen, fester Boden unter den Füssen, eine seltene Erfahrung in den letzten 5 Wochen.

Heute mal Fish n´chips gegessen – lecker, wenn auch fett. Die englische Höflichkeit, das entspannte Anstehen in der Schlange, die gepflegten Kleingärten vor den Reihenhäusern, die lockere Kleidung der Menschen, der Linksverkehr – man spürt auf Schritt und Tritt die etwas andere, sympathische angelsächsische Mentalität.

Graue Gemäuer, graue Dächer – so konsequent grau sind hier die Häuser, dass es schon wieder schön ist.

Hier noch einige Eindrücke in Bildern:

Sonntag, 10. August 2008

Auf See

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Kurz-Video: Vor dem Wind nach Süden

klack-klack....klack-klack ...
Töpfe rutschen im Takt mit dem Seegang hin und her. Entnervt komme ich aus meiner Koje hoch. Aber Michael, der gerade Wache hat, ist schon dabei, Handtücher in die Zwischenräume zu stopfen. Damit Ruhe ist. Also ziehe ich mir wieder die Bettdecke über die Ohren, verkeile mich mit Kissen in der Koje und versuche zu schlafen.

5 Tage sind wir bereits ab Spitzbergen unterwegs. Der Wind war günstig, aus NordWest, teils mit satten 6 Bft. Wir kommen schnell in Richtung Süd voran. Das Wetter ist gut, klare Sicht, teils sonnig. Und die Temperatur steigt wieder. Hatten wir in der ersten Nacht noch knappe 2 Grad, zeigt das Thermometer nun immerhin 12 Grad. Unsere elektrische Selbststeueranlage arbeitet zuverlässig.

So allmählich haben wir uns auch an den besonderen Rhytmus auf See eingestellt: alle 2 -3 Stunden ist Wachwechsel, d.h. einer von uns hat frei, während der andere sich um Navigation, Segelstellung, Wind und Wetter kümmert oder auch das eine oder andere repariert.

Gekocht wird natürlich auch. Das Pflaster gegen Seekrankheit hat diesmal bestens gewirkt, so dass immer frisch zubereitete Mahlzeiten auf den Tisch kommen. Wobei einem das Hantieren in der Pantry ( Kochecke)bei dem Seegang so einiges abverlangt; gilt es doch fortwährend zu verhindern, dass sich die Lebensmittel selbstständig in der Kajüte verteilen. Da sind zwei Hände manchmal wirklich zu wenig.

Heute haben wir dicht die erste Bohrinsel passiert. Eine, die in keiner Seekarte verzeichnet war. Das riesige Bauwerk, voll erleuchtet, könnte auch ohne weiteres als geheimnisvolles Objekt aus dem Weltall durchgehen.


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