Samstag, 11. April 2009

"You can fish it out"

Inzwischen in Fernandina, Nordflorida eingetroffen, wollen wir mal richtig italienisch essen gehen, überhaupt mal wieder essen gehen, nach 9 Wochen Kochen an Bord das erste Mal, etwas Besonderes, ein Erlebnis:

Das Restaurant, original italienisches Flair, Musik und Einrichtung, viele Gäste. Gleich vorn, wie in Amerika üblich und angenehm für den Gast: "wait to be seated". Wir warten, und schon bald saust eine der viel beschäftigten Kellnerinnen an uns vorbei, "we will be soon with you", na klar, wir warten gern, wären schon froh, wenn wir noch einen Platz bekämen in dem fast vollen Restaurant. Einen kleinen, noch freien 2-er Tisch, den einzigen freien haben wir schon im Augenwinkel. Da, ein netter junger Mann kommt auf uns zu, Begrüßung , schnappt sich die Speisekarten, redet einiges auf amerikanisch, nette Worte scheinbar, die wir nicht verstehen in dem ganzen Trubel und rennt zielstrebig - ja genau in Richtung des kleinen 2-er Tisches. Wir dicht hinterher - nur nicht den Anschluss verlieren. Dann, auf halbem Weg, Vollbremsung sodass wir beinah über ihn stolpern, denn er wendet sich einem Tisch zu und legt dort Besteck auf. Wir stehen etwas dumm herum in dem engen, voll besetzten Lokal und kommen uns vor als hätten wir gedrängelt. Er wendet sich uns zu, "no,no, not this table, to small". Zu wenig Platz um ihn vorbeizulassen, marschieren nun wir vorweg, zurück zum Eingang. Hier nun, nach Beschauen umfangreicher Listen und allerlei Erklärungen, vieler netter Worte, ob wir was dagegen hätten in die erste Etage...nein wieso nicht. Die Treppe hoch, ein schöner ruhiger Platz, feines Ambiente, die Musik vom stimmgewaltigen Opernsänger Pavarotti etwas laut, was soll´s, wir sitzen.

"My name is John, I am your purser" - na nett, das macht bei uns kein Ober, sich mit Namen vorstellen. Schon mal ein Bier bestellt (kleines schlechtes Gewissen, sollte man hier doch guten Wein trinken) die verlockenden Speisen - 3 Gänge - sind ausgesucht und das Bier kommt. Bums, die Flasche mit Kronkorken mitten auf den Tisch, das Glas daneben. Und schwupp, weg ist der nette Ober, am Nebentisch. Hmmm, kein Öffner, vielleicht macht man das in Amerika selber ? Hilft nix, der Ober wird gerufen, "could you please open ?" - "oh what is that, is it not for screwing - I never saw this before" - er hat also noch nie eine Flasche mit Kronkorken gesehen - nun ja, im Land der Dosen und Pappbecher ja verständlich. Schnappt die Flasche und verschwindet mit dem Ding eine Etage tiefer. Minuten später landet die geöffnete Flasche bums- wieder auf dem Tisch. Wir bestellen - alles klar "thank you for your order". Das Bier schenkt man gern selbst ein.

5 Minuten später: "would you like the soup as a starter or all together" Nun, bitte nicht alles auf einmal, der Tisch würde kaum reichen. "Ohhh... I think the kitchen has it almost ready, I see what I can do" - wir schmunzeln, warum dann erst die Frage ?

Inzwischen wird am Nachbartisch die Suppe gebracht, der Ober packt die großen, schweren Teller mit ganzer Hand, der Daumen ist tief in die Suppe getaucht - wir können uns ein Grinsen nicht verkneifen. Na, gleich kommt unsere Suppe dran..., ja es dauert nicht lange, die Suppe kommt, hmmm lecker, kein Daumen in der Suppe diesmal, aber, Mist, der Löffel liegt mitten im Teller, untergetaucht. Der Ober: "ohhh... sorry..." - jetzt schon etwas hektisch, will offensichtlich einen neuen Löffel holen... im wegsprinten dann noch: "you can fish it out" und zeigt dabei auf die Gabel, mit der man in der Tat ja ganz gut den Löffel rausfischen kann.
Na gut, wir nutzen die Zeit, und fischen mal etwas. Der Löffel wird vorsichtig am Tellerrand deponiert, Voll mit Spinatteilchen harrt er darauf, endgültig geborgen zu werden. Wir warten, aber der nette Mann kommt nicht, also auch kein Löffel. Dann erscheint er am Nebentisch - ein kurzer Fingerzeig von uns auf den am Tellerrand liegenden Löffel..."Ohhhh sorry.... I get you a new one" und nach weiteren Minuten kommt er, der Löffel.
Wenig später, die Suppe ist noch nicht vertilgt, kommt John, der Ober schwer beladen und inzwischen verdächtig schnaufend mit Pizza, Lasagne, Sidesalad Knoblauchbrot. Alle Hände noch voll, wird das Gestell für die Pizza am Tischrand - sehr weit am Tischrand - abgestellt. Nun die Pizza auf das Gestell und ahhhh halt, alles rutscht, das Gestell fällt, aber die Pizza wird mit eleganter Bewegung gefangen, puhhh... das war knapp.
Der Tisch ist jetzt voll, randvoll. Der Ober zeigt nun doch erste Stressymptome, das Schnaufen wird mehr, das Lächeln schwindet. Asthma ? Wir machen uns Sorgen aber eigentlich sieht der junge Mann ganz fit aus. Nun gut, jetzt aber zack zack, wo fangen wir an, sonst wird noch alles kalt. Aber erst noch auf dem Buffet an der Wand Platz machen, damit wir dort die riesigen Suppenteller abstellen können, die der Bemühte, nun im Vollstress, nicht mitgenommen hat. Als er wieder nach unten entschwunden ist, können wir erstmal unser angestautes Lachen rauslassen. Das macht ja Spaß hier. Das ist eine Show, die einem hier geboten wird.
Wir sind fertig mit Essen, am Nachbartisch fliegt beim Abräumen gerade einiges Besteck auf die Erde - wir müssen unser Lachen krampfhaft zurückhalten.
"The bill" - vor unserer Nase, schon auf unserem Tisch, wird die Rechnung der Nachbarn aus dem eleganten Lederheftchen gezupft und schwupps landet unsere da drin. Nun ist er ganz wortkarg, der Ärmste und in sich gekehrt und ziemlich fertig verschwindet er nach unten.

Ein gelungener Abend, wir hatten unseren Spaß und das Essen war gut.