Samstag, 18. Juli 2009

Labrador - weites Land, einsames Land




In Kürze wollen wir nach Grönland segeln und daher vorher noch einen kurzen Bericht abgeben. Eieberg im Nebel

Wir sind nun schon einige Tage an der Küste Labradors unterwegs. Eine einsame Küste, fast ohne Orte, fast ohne Straßen. An der Küste liegen zahlreiche gestrandete Eisberge. Im kalten Wasser des Labradorstroms sind auch die Lufttemperaturen niedrig. Kaum kommt man aber bei gutem Wetter um "die Ecke" in einen der fjordähnlichen Einschnitte, springt die Temperatur bisweilen in Sekunden um unglaubliche 2

0 Grad nach oben. Der Anker fällt dann mitten im Wald, Stille wie auf einem See, singende Vögel am Ufer. Niedrige Berge, die zum Wandern einladen. Ein Paradies, wenn nicht die bisweilen sehr zahlreichen Blut saugenden Plagegeister wären: Mücken, Myriaden von fiesen Black Flies und Massen von Bremsen bei warmen We

tter. Da läuft man an Land schon mal mit Mückennetz überm Kopf verschleiert wie im Orient herum. Menschen sieht man kaum, andere Segler praktisch keine.

Zahlreiche kleine Siedlungen säumen die Küste - meist allerdings seit über 20 Jahren verlassen. Jetzt dem Verfall Preis gegeben, wurden sie damals als Sommercamps für fischende Familien genutzt. Inneneinrichtung, Spielgeräte, verwilderte kleine Gärten, alles ist noch zu sehen. Durch die totale Überfischung Ende der achtziger Jahre eingebrochenen Dorschbestände und dem zu spät folgenden totalem Fangverbot fiel schlagartig die Grundlage für diese Siedlungen weg - sie wurden verlassen. Da die zahlreichen Siedlungen in etwa alle im gleichen Zeitraum verlassen wurden, befinden sie sich auch im etwa gleichen Verfallsstadium. Es wirkt fast, als hätte hier eine Art Vertreibung stattgefunden und gibt diesem Küstenstrich einen Hauch von Melancholie.

Verlassene HäuserRhabarberernte - er wuchert seit 20 Jahren ohne Pflege

Ein weiteres Beispiel für die Unvernunft des Menschen im Umgang mit natürlichen Ressourcen sehen wir hier an unserem Ankerplatz. Eine industriell anmutende Verarbeitungsanlage für Wale mit riesigen Trankesseln, gewaltigen Brennern und Rohrsystemen ist seit 1959 stillgelegt und strotzt von Rost. Als die Wale bis auf kleine Restbestände vernichtet waren, wurde eben alles liegen gelassen wie es war und man fuhr wieder nach Hause - in diesem Fall nach Norwegen.

Gestrandeter Walfänger