Sonntag, 29. November 2009

Einkaufstour in den Ort



Heute gibt es mal einen etwas längeren Bericht. Für alle, die es interessiert. Hier wird ja niemand zum lesen gezwungen, das ist das Gute.
Es schneit, in schönen dicken Flocken und den ganzen Tag. Der Himmel ist Wolkenverhangen, die Sicht schlecht. Die Temperatur recht milde bei -9 Gr. das Tageslicht reicht noch etwa für 6 Stunden. Ich entschließe mich auf der Hundeschlittenroute per Ski zum Ort zu laufen. Zwar war ich bisher schon sehr viel im Gelände unterwegs, aber diese Route ist mir neu.
Mal eben los - so einfach ist es leider nicht ganz. Erstmal muss der Rucksack gepackt werden - ein bisschen Sicherheitsausrüstung, zusätzliche Kleidung. Das Schlauchboot ist dick verschneit, da heisst es Schneeräumen im Dinghy. Runterklettern an der Bordwand mit den rutschigen, klobigen Skischuhen - vorsichtig sein - ein Bad wäre nicht zu empfehlen, die Wassertemperatur liegt bei minus 1,7 Grad.
Dann den Außenborder starten. Bis der will bei der Kälte muss man schon einige Male reissen. Er springt an, jetzt die spannende Frage ob Kühlwasser rauskommt. Hmm, nicht. Eingefroren. Egal, losfahren. Es ist etwa 1 km zu fahren. Nach einiger Zeit kommt der Kühlwasserstrahl, alles klar. Jetzt an Land kommen. Erstmal Ski und Rucksack aus dem Dinghy rüberhieven. Die Leine nicht vergessen und vorsichtig die recht steilen Uferfelsen erklimmen. Arg rutschig, ein Bad gilt es auch hier zu vermeiden. Keine Schwimmweste an - die wäre zu hinderlich um wieder in das Boot zu kommen und mit den dicken Trockenanzügen von Helly Hansen wäre man zu unbeweglich um an Land zu turnen. Also schön langsam. Das Dinghy so festmachen, dass es bei Niedrigwasser, wir haben 1,5 mtr. Tidenhub heute, nicht an der Leine baumelt, wenn ich wiederkomme. Die 20 Mtr. Felsen erklimmen um dann endlich, oben auf dem Plateau die Ski anzulegen. Los geht es. Erstmal zur Hundeschlittenroute. Dort angekommen sind keine Spuren zu sehen. Alles zugeschneit und heute war noch keiner unterwegs. Also die richtige Richtung einschlagen. Zur Not ist ja noch der Kompass da, es ist nämlich alles schön gleichmäßig weiß heute - white out nennt man das wohl. Alle Hügel sehen gleich aus, die Täler auch. Dennoch gelingt es, nach einigem hin und her, den entscheidenden kleinen Pass zu finden. Jetzt wird es einfacher. Immer den zugefrorenen Seen folgen bis schließlich der Ort kommt. Die Ski auf die Schulter und mit den zum Gehen unpraktischen Skischuhen erstmal den Kilometer zum Seemannsheim, die gewaschene Wäsche abholen. Dort Rucksack und Ski stehen lassen, zum Supermarkt gehen. "Frisches" einkaufen, was gerade so da ist. Heute nicht viel, aber einige Äpfel und Apfelsinen. Zurück zum Seemannsheim. Mittlerweile ordentlich durchgeschwitzt wird die Zeit nun knapper, es soll auf dem Rückweg nicht dunkel werden. Der Rucksack, jetzt 20 kg schwer, wird aufgeladen und samt Ski auf der Schulter geht es wieder, erstmal den Berg hoch zum Ausgangpunkt der Route. Jetzt brauche ich nur meiner Spur von vorhin folgen. Nachdem ich die einzige steile Stelle überwunden habe, indem ich meine Ski auf die Schulter nehme und zu Fuß gehe, überholt mich von achtern ein Hundeschlitten, das heißt er will mich überholen. Ich höre ihn erst, als er 20 Meter hinter mir ist und der gute Mann plötzlich auf seine Hunde losschreit. Sie laufen nämlich genau auf mich zu. Jiiii, jiiii, was wohl soviel heißt wie, rechts, rechts. Immerhin, von den ca. 10 Hunden gehen 8 nach rechts, 2 aber nicht, die wollen bei mir links vorbei. Bevor ich nun von dem ganzen Haufen mitgerissen werde, denn gebremst wird nicht und er hat bestimmt seine 15 kmh drauf, mache ich, die Hunde schon fast neben, mir einen Satz nach links und der ganze Haufen saust rechts an mir vorbei. Das war knapp.
Den Rest des Weges mache ich mit links und bin nach rund 4 Stunden und dem Gefühl, ordentlich was getan zu haben, bei Dämmerlicht wieder auf dem Schiff.

Montag, 16. November 2009

Zeit für die Hunde




 Die Tage werden kürzer. Während der wenigen Stunden des Tageslichtes sind die von der flachen Sonne hervorgerufenen Farben oft bezaubernd. Das meist sehr stabile trockene Winterwetter lässt ausgedehnte Touren zu.

Unterwegs in der hügeligen Felslandschaft: Über viele kleine zugefrorene Seen und Sümpfe hinweg, Dünen aus Schnee überquerend - das blaue Licht nicht Tag, nicht Nacht - man hält inne und auch das leise Geräusch der gleitenden Ski bleibt aus - die Stille in der klaren arktischen Luft ist absolut. So vergisst man schon mal, dass der Ort Aasiaat nur wenige Kilometer entfernt ist.

Von den Hügeln ergibt sich unglaubliche Fernsicht auf die 80 km entfernte Diskoinsel und hinüber zum östlichen Festland.



Hundeschlitten begegnet man häufiger. Sie fahren immer die gleiche Route, die Hunde werden trainiert. Wenn erstmal das Meereis da ist und überquert werden kann werden lange Jagdfahrten gemacht und dann sollen die Tiere fit sein.

In wenigen Wochen wird die Sonne für einige Zeit unter dem Horizont bleiben, dann wird auch unsere Bucht zufrieren und erst der richtige Winter beginnen.


Lichtstimmung um die Mittagszeit