Sonntag, 28. Februar 2010

Windformen

Neuschnee ist gefallen. Starker Wind, erst aus West, dann aus Ost hat diesen zu bizarren Formen modelliert. Die Sonne scheint und staunend durchfahren wir die verwandelte Landschaft auf Ski. Die Formen sind von aerodynamischer Perfektion. Die Konstrukteure von BMW und Co. könnten sich hier inspirieren lassen.

Freitag, 26. Februar 2010

Eisfischen

Heute haben wir den ersten Versuch mit Eisfischen gemacht. Das Loch war mit dem Tuk schnell in´s Eis geschlagen. Den Pilker ablassen und dann regelmäßig dran ziehen. Innerhalb einer guten Stunde bissen 2 Dorsche und 2 Seeskorpione an. Die Skorpione landeten wieder im Wasser, die Dorsche aber mussten Filet, Leber und Rogen für unsere Pantry lassen. Es waren sicher noch nicht die letzten gefangenen Fische in diesem Winter.

Donnerstag, 25. Februar 2010

Tuk

Seit einiger Zeit halten wir das Heck eisfrei. Es ist vielleicht noch nicht unbedingt nötig, da das Eis nicht sehr dick ist. Sollte es aber doch noch anwachsen, wollen wir so das Ruder und auch die Schraube schützen. Dazu trennen wir das neu entstandene Eis zunächst mit dem Tuk auf. Der Tuk ist ein Instrument, dass die Inuit benutzen um Löcher in das Eis zu schlagen. Es hat unten eine schmale, scharfe Klinge und einen langen Stiel. Man hat beim Schlagen so sehr viel Kraft und kann auch genau arbeiten.

Danach werden die einzelnen Bruchstücke mit der Schaufel auf das Eis geworfen. Trotz des relativ milden Frostwetters haben wir alle 2 Tage 6-7 cm Neueis.

Samstag, 20. Februar 2010

Panoramafotografie

Seit einiger Zeit beschäftige ich (Michael) mich nebenbei mit der Panoramafotografie. Die nordischen Landschaften ergeben oft ideale Motive. Es ist nicht unbedingt eine sehr kreative Art der Fotografie. Man bekommt aber oft einen realistischen Eindruck von der Stimmung, der Weite. Besonders wenn die sehr hoch aufgelösten Fotos später stark vergrößert werden. Inzwischen habe ich mir einen Panoramakopf für das Stativ zugelegt, der doch noch bessere Ergebnisse bringt.

Leider ist die Fotoausrüstung mittlerweile ziemlich schwer geworden. Und da man den ganzen Kram ja in der Landschaft herumschleppen muss, am besten auch auf alle möglichen Gipfel, ist das Fotografieren jetzt manchmal nicht mehr nur ein Hobby sondern auch ein Sport.

Freitag, 19. Februar 2010

Fensterisolierung

Unser Schiff hat einen Deckssalon mit Fenstern. Das ist ja bei den meisten Segelyachten nicht so. Ein besonderes Thema beim Bau war die Isolierung der Fenster. Da sich die Lösung hier in der Praxis als optimal erwiesen hat, hierzu eine kurze Darstellung:

Die Isolierfenster sind von der holländischen Firma Gebo. Innen und Außenrahmen sind bis auf die durchgehenden Bolzen voneinander isoliert. Das bruchfeste Glas hat außen eine Stärke von 10 und innen 6 mm. Zusätzlich haben wir unsere Seeschlagblenden aus 12 mm Acrylglas für den Winter angebracht. Auf den Außenrahmen ist eine dünne Schaumisolierung geklebt, so dass die Luftschicht zwischen Acrylfenster und dem Glasfenster keine Verbindung zur Außenluft hat. Wir haben keine Schwitzwasserbildung und die Isolierung ist mindestens so gut wie die Schaumstoffisolierung des Rumpfes.

Die Seeschlagblenden benutzen wir übrigens auf See nicht. Sie dienen nur der zusätzlichen Sicherheit im Falle einer Beschädigung eines Fensters. Dies dürfte wohl weniger durch Seeschlag sondern eher durch herumfliegende harte Gegenstände, wie Blöcke passieren.

Die Blenden sind mit 4 Bolzen mit dem Deckshaus verschraubt. Dazu wurden beim Bau an der Innenseite massive Aluminiumzylinder angeschweißt und von außen mit Bohrung und Gewinde versehen. Es besteht also keine Verbindung nach innen. Bei Nichtbenutzung sind sie mit Kunststoffgewindebolzen verschlossen.

Donnerstag, 18. Februar 2010

Backen mit Bertschi

Regelmäßig backen wir an Bord. Mit unserem Bertschi-Petroleumherd erfordert das Backen schon einige Erfahrung. Es ist nicht ganz so wie zuhause mit dem elektrischen Heißluftofen.
Nach viel Herumprobieren sind die Ergebnisse aber mittlerweile gleich. Kuchen oder Brot scheinen es egal zu sein ob sie mit modernster Technik oder in einem eigentlich vorsintflutlichen Ofen gebacken werden. Hauptsache es ist schön heiß.
Nachdem die Brenner mittels elektrischer Vorwärmung nach einigen Minuten endlich gleichmäßig brennen erfordert das Regeln der Temperatur im Backofen einiges Fingerspitzengefühl. Auch sind die Brenner Individualisten und wollen jeder etwas unterschiedlich behandelt werden.
Schnell wird der Ofen zu heiß, dann schmelzen Kabel und die Isolierungen der Glühkerzen werden beschädigt. Oder die Temperatur sackt zu weit ab. 160-180 Grad haben sich als gut erwiesen.
Öfter backen wir ein Brot und dann gleich noch einen Kuchen hinterher. Dann braucht man nur einmal einheizen. Vielleicht gerade weil die ganze Sache etwas Aufmerksamkeit erfordert macht es Spaß und wir geniessen die Ergebnisse umso mehr.
Der große Vorteil unseres Petroleumherdes ist die Unabhängigkeit von der Versorgung mit Gasflaschen. Unser Vorrat von über 200 l. Petroleum reicht für fast 3 Jahre.
Unsere Freunde Phyllis und John, die hier im Dezember an Bord waren, haben zu dem Thema einen interessanten Post in Ihrem Blog geschrieben:
http://morganscloud.com/aacblog/2009/12/interesting-gear-on-cooker.html

Donnerstag, 11. Februar 2010

Polarlicht über der Polaris

Schon oft haben wir bei klarem Himmel hier Polarlicht gesehen. Jetzt, wo man sich frei auf dem Eis bewegen und ein Fotostativ aufstellen kann, ist es auch ein wenig gelungen, dieses magische Licht auf dem Foto einzufangen.

Man steht auf dem Eis, das Schiff vor sich, diesen Himmel mit dem sich wie im Wind bewegenden Polarlicht über sich. Der Schnee vom grünen Licht leicht erhellt. Stille. Dann weiß man, warum man hier ist.

Dienstag, 9. Februar 2010

Neuschnee

Es hat geschneit. Endlich. Denn seit einer Woche ist die Landschaft von einer Eiskruste überzogen. Unsere Eiszackenbewehrten Schneeschuhe sind Gold wert. Sonst könnte man sich nicht viel im Gelände bewegen. Das Gehen macht enorm viel Lärm, da die dünne Eisschicht bei jedem Schritt einbricht. Es hört sich an, wie der Biss in ein knuspriges Brötchen - nur lauter.
Dort, wo die Hundeschlitten gefahren sind, sehen wir immer wieder Blutspuren. Die Hunde reissen sich auf dem scharfen Eis die Pfoten auf. Traditionell ist der Schlittenhund hier ein Nutztier und auch sehr hart im Nehmen.
Sehr viele Eisberge haben sich mittlerweile hier bei der Insel versammelt. Ungewöhnlich, denn hier sind aufgrund der Meeresströmungen sonst wenig Eisberge. Aufgrund des bisher sehr milden Winters sind sie auch nicht eingefroren und können sich daher frei bewegen. 

Montag, 8. Februar 2010

Dampfsauna

Seit einigen Wochen ist hier Samstags "Saunatag". Nach diversen Versuchen ist es uns gelungen, auf gut 1 qm hinter dem Duschvorhang im Bad so etwas wie eine Dampfsauna einzurichten. Dazu wird erstmal das Bad mit unserer Webasto-Wasserheizung angeheizt, dann zusätzlich eine elektrische Warmluftheizung reingestellt. Um den Strom hierfür zu erzeugen, muss die Hauptmaschine laufen. Nach 45 Minuten kommt unser billiger elektrischer Kocher zum Einsatz. Die Hauptmaschine wird abgestellt, der Hondagenerator angeworfen - damit es leiser ist.

Das auf dem Refleks Ofen vorgeheizte Wasser im Topf wird auf den Kocher gesetzt. Nach 15 Minuten ist ordentlich Dampf drin und man kann kräftig schwitzen. Man sitzt zwar nicht gerade sehr bequem, aber der Saunaeffekt stellt sich tatsächlich ein. Abreiben mit Schnee und die eiskalte Luft draussen ersetzen die kalte Dusche.

Sonntag, 7. Februar 2010

"Eisklettern"

Springtide - jetzt ein paar Tage nach Vollmond nichts ungewöhnliches. Eine Tidenwelle war besonders ausgeprägt. So fanden wir unser Dinghy nach einem längeren Ausflug gut 2 Meter tiefer am senkrechten Uferfelsen. Wie gut, dass wir vorsorglich eine Eisschraube im Eis oben befestigt haben. An diesem ist das Dinghy festgemacht. So können wir uns an der Leine runterlassen, ohne zu rutschen oder riskant zu springen. Zusätzlich schlagen wir mit der Eisaxt Stufen in das Eis am Felsen. Wir sind zwar keine erfahrenenen Bergsteiger, aber einige Berg-Ausrüstungssgegenstände haben sich hier schon sehr bewährt.

Diese Stelle haben wir ausgesucht, weil hier die Felsen unter Wasser senkrecht abfallen und das Eis am Ufer nicht aufliegt und somit nicht bricht. Der Nachteil ist allerdings, dass man bei einem unfreiwilligen Bad schwimmen muss - noch trägt das Eis im Bereich bis 2 Meter vom Ufer entfernt nicht.

Mittwoch, 3. Februar 2010

Sonnenlicht !

Das erste Mal haben wir jetzt die Sonne gesehen ! Eigentlich ist sie schon seit dem 13. Januar mittags über dem Horizont. Bisher hatte sie sich aber immer hinter Wolken verborgen.
Nach Eisregen, Tauwetter und Frost ist die Landschaft mit einer Eisschicht überzogen. Skilaufen ist fast unmöglich. Wie gut, dass wir unsere Schneeschuhe haben - die großen Eisenzacken auf der Unterseite geben immer Halt. So können wir uns auch jetzt frei bewegen und den besonderen Reiz der mit Eis überzogenen Schneeflächen genießen. Das pastellfarbene, zarte Licht wird von der Oberfläche reflektiert. Der Ausblick von unserem Hausberg ist fantastisch, besonders als nach Sonnenuntergang Nebel den Sund hochzieht und wir von oben wie auf Wolken herabblicken.
Trotz der zeitweilig wärmeren Temperaturen ist das Eis um´s Schiff noch begehbar. Das Erklettern der jetzt sehr glatten Uferfelsen erfordert allerdings große Vorsicht. Eisaxt und Eisschraube sind eine große Hilfe.