Mittwoch, 30. Juni 2010

Baloum Gwen und Besuch vom Helikopter

Bei guter Sicht auf die Berge, die fast senkrecht auf über 2000 Meter
ansteigen, schippern wir weiter in den Umanaq Fjord hinein. Unterwegs
treffen wir auf die "Baloum Gwen". Skipper Patrick mit seiner Yacht haben
wir bereits in Aasiaat getroffen. Patrick hat die Nordwestpassage in beide
Richtungen durchfahren. Es wird gewunken, Fotos werden gemacht und schon
gehen beide Schiffe wieder auf Kurs. Patrick will zurück nach Europa.

Wir haben uns einen Fjord mit vielen Inseln und vermuteten Untiefen
ausgesucht. Mit vorsichtigem loten, hier hilft unser Sonargerät von
Echopilot, tasten wir uns bis in die letzte Ecke und finden einen sehr guten
Ankerplatz. Am Ende der Bucht ergiesst sich aus einem See ein Bach. Im See
fangen wir einen kleinen Lachs.

2 lange Wanderungen bringen uns auf 1000 Meter Höhe, mit fantastischer
Aussicht. Als wir von oben auf unser Schiff sehen, fliegt plötzlich ein
Hubschrauber unseren Ankerplatz an, umkreist unser Schiff, landet sogar kurz
auf einem Felsen. Der Pilot scheint überrascht zu sein, hier eine Yacht
vorzufinden. Winken können wir nicht, denn wir sind 900 Meter über dem
Hubschrauber. Vermutlich befindet er sich auf einem Rundflug mit Touristen
Richtung Inlandeis.

Mittwoch, 23. Juni 2010

Kerniges Segeln in den Umanaq-Fjord

Ein explosionsartiger Knall. Der Eisberg, der etwa 200 Meter neben der
Polaris auf Grund liegt, zerbricht. . Es ist 3 Uhr nachts. Die Sonne
scheint, es ist windstill und wir hatten uns bereits entschlossen Anker auf
zu gehen. Spätestens jetzt hätten wir wohl senkrecht in der Koje gestanden.
Die vielen kleinen Bruchstücke verteilen sich und würden den Ankerplatz
unsicher machen.

In der hellen Morgensonne motoren wir durch das spiegelglatte Vaigat.
An unserem nächsten Stop für die Nacht gibt es die Ruine einer
Wikingerkapelle aus dem 13. Jh. Dafür, dass sie über 700 Jahre hier
unberührt steht, sind die Reste noch gut erhalten. Kein Schild weist auf die
Besonderheit hin. In der Nähe ist eine Hütte, die hin und wieder von
Einheimischen und wie wir dem Hüttenbuch entnehmen, auch von durchreisenden
Touristen genutzt wird. Wir tragen uns ein. Das Buch reicht weit in die 90er
Jahre zurück, wir finden aber nur 2 weitere Einträge von Besuchern, die mit
einer Segelyacht kamen.

Der nächste Tag bringt starken Westwind. Genau richtig, um in den
Umanaqfjord zu segeln. Leider zieht vorübergehend Nebel auf. Zahlreiche
Eisberge, Growler und kleinere Eisstücke zwingen uns die Segel zu reffen und
statt mit 9 kn vorsichtig mit 6 kn zu segeln. Der Nebel lichtet sich wieder
und gibt den Blick auf die zahlreichen 2000er Berge dieses großen
verzweigten Fjordgebietes frei.

Eine kleine Inselgruppe soll einen rundum geschützten Ankerplatz bieten. In
der sehr schmalen Einfahrt soll ein Felsen mit weniger als 2 Meter
Wassertiefe liegen. Genug für unsere Polaris, wenn das Schwert hochgeklappt
ist. Allerdings hat sich inzwischen durch den starken Wind eine gewisse
Welle aufgebaut, die genau auf die Einfahrt steht. Wir wollen natürlich
nicht durch die Wellen auf diesen Felsen gesetzt werden. So laufen wir sehr
vorsichtig ein. Die flache Stelle liegt weiter innen im Kanal und der
Seegang hat sich hier bereits beruhigt. Der Kanal weitet sich zu einem
kleinen Pool, der Anker fällt auf 3 Meter, Landleinen verhindern das
Schwojen und die Polaris liegt in vollkommener Ruhe.

In den nächsten Tagen wollen wir das Fjordgebiet weiter erkunden. Die
Seekarten geben meist keine Informationen über Wassertiefen und Ankerplätze
und so werden wir versuchen, anhand topografischer Karten und gespeicherter
Google Earth Bilder und mithilfe unseres Sonargerätes von Echopilot uns
selbst ein Bild zu machen.

Belagert von Growlern

Von Rode Bay aus segeln wir mit gutem achterlichem Wind bei etwas trübem und
kalten Wetter in das Vaigat - die Straße der Eisberge.

Das Vaigat ist ein 60 Seemeilen langer, fjordartiger Sund. An beiden Seiten
ist er gesäumt von bis zu 2000 Meter hohen Bergen.
Wir ankern hinter einer kleinen Landzunge vor einem langen Sandstrand. In
der Bucht befindet sich viel Eis. Der starke Ostwind hat das Eis aber auf
die andere Seite der Bucht getrieben und wir bleiben für die Nacht vom Eis
unbehelligt. Am nächsten Morgen dreht der Wind und wird wieder stark. Nun
schiebt er Growler und kleinere Eisberge wieder zurück in unsere Bucht.
Schließlich wird uns der Boden doch zu heiß und wir verholen uns auf die
andere Seite. Ein schmaler Sandstrand bildet hier eine Mole, die die Bucht
zum Vaigat hin abschirmt.

Wir besuchen einen kleinen Vogelfelsen aus Basaltklippen. Hier brüten unter
anderem Kormorane, die man aus geringer Entfernung beobachten kann.
Stundenlang sitzen wir in der Sonne, Eisberge, das Vaigat mit den gewaltigen
Bergen, unsere Polaris und die Vögel im Blick.

Rode Bay

Inzwischen im Umanaq Fjord angekommen wird es mal Zeit, über unsere
Erlebnisse in der Zwischenzeit zu berichten.

Einige Tage verbrachten wir vor Anker in der Nähe des kleinen Ortes Rode
Bay, den wir bereits letztes Jahr besuchten. Die Gegend lädt zum Wandern
ein. Wasserfälle, Flüsse, Seen und Berge bis 600 Meter Höhe.

Mit dem Dinghy machten wir einen Ausflug zum 8 Seemeilen entfernten
Ilulissat. Hier waren wir bereits in den Neunziger Jahren. Der Ort hat sich
doch erheblich entwickelt. Er ist moderner geworden. Obwohl er wegen des
berühmten Isfjordes ein Touristenzentrum ist, erscheint er uns nicht sehr
attraktiv. Wir nutzen die gute Versorgung zum Einkaufen und natürlich vor
allem zu einer kleinen Wanderung zum Isfjord. Der Fjord ist voll mit
riesigen Eisbergen, die sich täglich rund 30 Meter voran ins Meer schieben.
Sicherlich eines der Wunder dieser Welt.

Der Rückweg gestaltet sich dann bei auflandigem Wind mit unserem kleinen
Dinghy etwas rau. Wir fahren dicht am Ufer entlang und suchen hinter den
vielen gestrandeten Eisbergen etwas Schutz vor den Wellen. Ständig müssen
wir den tausenden kleinen und großen Eisbrocken ausweichen.

In der Siedlung Rode Bay gibt es in einem alten, historischen Holzhaus das
Restaurant "H8". Es wird von Uta und Ingo betrieben, die vor mehr als 12
Jahren hierher von Deutschland ausgewandert sind. Das gutgehende Restaurant
bietet hauptsächlich grönlandische Spezialitäten und wird sowohl von
Einheimischen, wie auch von Touristengruppen aus Ilulissat besucht. Bereits
im letzten Jahr haben wir Uta und Ingo kennengelernt. Wir werden zu Kaffee
und Kuchen eingeladen und geniessen die Stille im Inneren dieses gemütlichen
Hauses mit Blick auf unsere Polaris, die eine Meile entfernt vor Anker
liegt.

Abends sammeln wir am Ufer noch Miesmuscheln, die es hier in großen Mengen
gibt.

Dienstag, 15. Juni 2010

Treffen mit alten Bekannten auf See

Ein nicht ganz alltägliches Treffen mitten auf dem Wasser: kurz vor der Küste begegnen uns Nathalie und Alain aus Monaco, zwei Paddler in seetüchtigen Kajaks. Die See ist ruhig und so kommen sie für eine Kaffeepause zu uns an Bord. Sie sind professionell ausgerüstet und in ihren Überlebensanzügen sehen sie aus wie 2 Raumfahrer. Ihre diesjährige Etappe führt südwärts von Ilulissat nach Nuuk. So dicht über dem Meer erleben sie eine ganz andere Perspektive auf die grönländische Westküste.
Ungewöhnlich ist, das wir ihnen bereits 2008 auf den Lofoten und im letzten Jahr hier in der Diskobay begegnet sind. Die einzigen Paddler weit und breit und wir treffen sie in 3 Jahren gleich dreimal.

Ihre homepage: www.phototeam-nature.com

Freitag, 11. Juni 2010

Grönländische Gastfreundschaft

Ein erneuter Stopp in der Bucht vor Akullit. Diesmal ist kein Wochenende und daher fast alle Hütten unbewohnt. Bei unserem Landgang treffen wir nur auf eine Grönländerin, die in aller Ruhe vor ihrem Häuschen Fisch räuchert, Heilbutt! Es duftet köstlich. Wir werden zum Kaffee eingeladen. Kuchen wird hervorgeholt, Kekse, süße Brötchen und dann versuchen wir mit unseren kleinsten Brocken Dänisch eine Unterhaltung. Erstaunlicherweise klappt es sogar etwas. Die Hütte ist einfach, aber sehr gemütlich eingerichtet, an den Wänden hängen viele Fotos. Zum Abschied bekommen wir noch zwei der leckeren Fische geschenkt.

Mittwoch, 9. Juni 2010

Große und kleine Tiere

Am Ende eines Fjordes gehen wir für ein paar Tage vor Anker. Die Bucht ist geschützt und ruhig, das Wasser türkis und sehr milchig, voller Sedimente vom Inlandeisgletscher. Am Ufer zwei Zelte von Einheimischen, die zum Lachsfang hierher kommen.
Das sonnige, warme Wetter lässt uns im Schiff keine Ruhe. Intensiv erwandern wir in mehreren Tagesmärschen die Umgebung.

Leider ab jetzt immer mit dabei.....Unmengen von Mücken, die sich bei der Wärme entwickelt haben. Andere Lebewesen begeistern uns dafür sehr viel mehr: Moschusochsen, in kleinen Gruppen zu 5 -9 Tieren, mit Jungen dabei. Gar nicht so große, aber kräftige, bullige Tiere mit langem Fell, teils bis auf den Boden. Eigentlich muss es denen doch viel zu warm sein. Langsam sind ihre Bewegungen. Wesentlich flinker dagegen die zahlreichen Schneeammern und Spornammern, die uns scheinbar ständig mit ihren Rufen locken.
Schmelzwasser vom Inlandeis fliesst in breiten Flüssen vom Inlandeis durch das Land, donnert über tobende Wasserfälle bevor es die Fjorde erreicht. Eine Urlandschaft, die völlig unberührt daliegt.

Montag, 7. Juni 2010

Lodden..Lodden..Lodden..!

Der Wind ist günstig und wir können bei sonnigem Wetter das erste Mal nach dem langen Winter wieder segeln. Vorbei an vielen kleinen und größeren Eisbergen, vorbei an einer Herde Robben, die neugierig ihre Köpfe aus dem Wasser strecken. Unser Anker fällt in der runden, geschützten Bucht vor Akulliit - eine verlassene Siedlung im Südosten der Diskobucht. Im Sommer jedoch nicht ganz einsam, da werden einige der rund 20 Hütten zum Wochenende von Familien aus dem größeren Ort Qasigiannguit(Cristianshab) bewohnt. Es ist gerade Loddensaison. Lodden, zu den Heringsfischen gehörend, treten jetzt in großen Laichschwärmen dicht am Ufer auf. Das Wasser ist scharz von ihnen. Auf den glatten Felsen am Ufer sind die Fische zum Trocknen ausgelegt. Wir selbst versäumen es leider, uns auch aus diesem reichen Angebot zu versorgen.

Donnerstag, 3. Juni 2010

Eisbergsafari

Die ersten beiden Tagestörns liegen hinter uns. Richtung Osten, hinein in die Diskobucht. Das Wetter: um 0 Grad, teilweise Nebel. Massenweise liegen gestrandete Eisberge an der Südseite der Diskobucht, sodaß wir zeitweise einen Slalomkurs fahren. Windstille - leider... so bleiben die Segel noch unten. Wir besuchen den kleinen Ort Akunaq. Es ist sehr ruhig dort - man hört nur spielende Kinder, ein paar jaulende Schlittenhunde und ab und zu ein Donnern von Eisbergen in der Ferne.Als wir morgens Anker auf gehen, zerlegt ein Jäger am Ufer gerade eine Robbe. Ein Idyll, zumindest für uns, ob es die wenigen Bewohner auch so empfinden, wissen wir nicht.

Zelt und harte Matten

Seit Tagen haben wir wolkenlosen Himmel und Sonne. Bevor wir endgültig unseren Überwinterungsplatz verlassen, machen wir noch eine Wanderung auf Sarqardlit, der Insel südlich des Langesundes. Das Gelände, das wir im Winter wegen fehlenden Eises über den Sund nicht erreichen konnten, hat nun aber auch im frühen Sommer seine Schönheiten: überall zeigen sich die ersten grünen
Triebe, Knospen und kleinste Blüten. Diesmal haben wir unser Zelt dabei. Auf der höchsten Erhebung (245 m) aufgestellt, haben wir einen weiten Rundumblick auf die Diskobucht mit den vielen Eisbergen. Statt Mitternachtssonne gibt es später allerdings dicken Nebel, der bei Temperaturen um Null Grad auf der Zeltwand gefriert und die harten Matten erweisen sich nicht als ganz so komfortabel, wie unsere gemütlichen Kojen an Bord. Dennoch - es war eine wunderbare, naturnahe Abwechslung.