Sonntag, 22. August 2010

Blaue Sammelleidenschaft

Seit einigen Tagen dauern unsere Wanderungen häufig ein wenig länger als geplant.Auf der Svartenhuk Halvoe, rund 60 sm südlich von Upernavik, leuchten uns auf den Südhängen an vielen Stellen dicke Blaubeeren entgegen. Da können wir einfach nicht achtlos vorbeigehen. Die Sammelleidenschaft erfasst uns und die mitgebrachten Pötte werden gefüllt. An Bord gibt es nun reichlich Blaubeeren mit Vanillesoße, Blaubeerenmarmelade, Blaubeerensoße, Muffins mit Blaubeeren und Pfannkuchen mit Blaubeeren....

Jetzt im August hat auch die Jagdzeit auf Moschusochsen begonnen. Hier auf Svartenhuk lebt eine Population dieser Tiere. Fünf Grönländer besuchen uns für eine Kaffeepause an Bord. Gabriel und Adam aus Upernavik, Thomas mit seiner Familie aus der nördlichen Siedlung Nuussuaq. Sie haben eine Abschußgenehmigung für einen Ochsen, wollen wissen, ob wir auf unseren Wanderungen Moschusochsen entdeckt haben. Doch wir haben nur muntere, aber äußerst scheue Schneehasen gesehen, die durch ihr weißes Fell weit sichtbar sind. Schnell freunden wir uns an. Sie schenken uns 2 leckere Heilbutt und schließlich folgt noch eine Einladung zur Eisbärenjagd bei Nuussuaq im nächsten Winter.

Montag, 16. August 2010

Sandersons Hope

Nach einem Abstecher Richtung Norden, sind wir inzwischen wieder in der Nähe von Upernavik eingetroffen. Die Eisbergdichte nimmt nördlich von Upernavik stark zu. Gute, eisfreie Ankerplätze werden rar.
Spät am Abend gehen wir auf einen Vorgipfel von Sanderson´s Hope, einem markanten Berg außen an der Küste mit senkrecht abfallender Nordwand. Die Wand wurde im Jahr 2000 zum ersten Mal erklettert. Uns reicht der Aufstieg auf 850 Meter über einen Einschnitt auf der Südostseite des Berges. Er bringt uns direkt an die Oberkante der senkrecht abfallenden Felswand. Der Ausblick ist atemberaubend. Um Mitternacht beobachten wir, wie die Sonne hinter den Eisbergen des Upernavik Isfjordes untergeht.

Samstag, 7. August 2010

Upernavik

Langsam treiben wir mit unserem Dinghy an dem Vogelfelsen entlang. Zahlreiche Dreizehenmöwen sitzen in der warmen Abendsonne mit ihren Kücken, sie machen den Eindruck, als wenn sie in Kürze flügge sind, der Sommer neigt sich dem Ende zu. Gryllteiste und Schulen von Eiderentenkücken tummeln sich auf dem Wasser. Oben am Felsen ragen die langen Hälse fast ausgewachsener Kormorankücken aus dem Nest. Die hohen, heiseren Piepstöne, die sie von sich geben, wollen nicht so recht zu den großen Vögeln passen.
Einige Kilometer entfernt erstreckt sich die lange Abbruchkante des Inlandeises. Immer wieder ist Donnergrollen zu hören. Der Upernavik-Isfjord ist bis zu seiner Mündung mit Eis angefüllt. Zu unserem Ankerplatz gelangten wir relativ geschützt vor den Eismassen, in Abdeckung einiger Schäreninseln. Den Anker haben wir allerdings nicht benutzt. 4 Landleinen und Stahldraht halten die Polaris. Hätten wir nicht unsere sehr langen Landleinen, die sich schnell abspulen lassen, könnten wir viele der Plätze hier nicht anlaufen. Entweder sind die meisten Buchten zu tief oder aber es ist zu wenig Raum zum freien schwojen.
Zuvor haben wir den Ort Upernavik besucht - mit ca. 1000 Einwohnern der nördlichste größere Ort an der grönländischen Westküste. 3 Wochen sind seit dem Besuch der letzten menschlichen Siedlung vergangen, Zeit für einen kleinen Einkauf. Im Supermarkt machen die Regale einen recht übersichtlichen Eindruck - offensichtlich ist Nachschub per Schiff noch nicht wieder eingetroffen. Obst und Gemüse, per Flugzeug eingeflogen, sind aber genügend vorhanden.
Bis auf einige historische Häuser ist der Ort arktisch rustikal, zahlreiche Gerätschaften, neu und bereits ausrangiert liegen herum. Der Müllplatz liegt zwischen Friedhof und den historischen Häusern. Die neue Landebahn, 100 Meter über dem Ort mit Schotter errichtet, dominiert das Panorama. Was soll´s - in einigen Wochen wird wieder alles mit Schnee überdeckt sein.
Heute werden die gelben Säcke entsorgt, die vor jedem Haus stehen. Es gibt kein Entwässerungssystem - so befindet sich in diesen Säcken anderer recycelbarer Inhalt als in Deutschland, nämlich der der Toiletten.
Die Menschen sind hilfsbereit und freundlich, man kennt sich und grüsst sich auf der Strasse. Touristen kommen nur wenige hier her.