Samstag, 7. August 2010

Upernavik

Langsam treiben wir mit unserem Dinghy an dem Vogelfelsen entlang. Zahlreiche Dreizehenmöwen sitzen in der warmen Abendsonne mit ihren Kücken, sie machen den Eindruck, als wenn sie in Kürze flügge sind, der Sommer neigt sich dem Ende zu. Gryllteiste und Schulen von Eiderentenkücken tummeln sich auf dem Wasser. Oben am Felsen ragen die langen Hälse fast ausgewachsener Kormorankücken aus dem Nest. Die hohen, heiseren Piepstöne, die sie von sich geben, wollen nicht so recht zu den großen Vögeln passen.
Einige Kilometer entfernt erstreckt sich die lange Abbruchkante des Inlandeises. Immer wieder ist Donnergrollen zu hören. Der Upernavik-Isfjord ist bis zu seiner Mündung mit Eis angefüllt. Zu unserem Ankerplatz gelangten wir relativ geschützt vor den Eismassen, in Abdeckung einiger Schäreninseln. Den Anker haben wir allerdings nicht benutzt. 4 Landleinen und Stahldraht halten die Polaris. Hätten wir nicht unsere sehr langen Landleinen, die sich schnell abspulen lassen, könnten wir viele der Plätze hier nicht anlaufen. Entweder sind die meisten Buchten zu tief oder aber es ist zu wenig Raum zum freien schwojen.
Zuvor haben wir den Ort Upernavik besucht - mit ca. 1000 Einwohnern der nördlichste größere Ort an der grönländischen Westküste. 3 Wochen sind seit dem Besuch der letzten menschlichen Siedlung vergangen, Zeit für einen kleinen Einkauf. Im Supermarkt machen die Regale einen recht übersichtlichen Eindruck - offensichtlich ist Nachschub per Schiff noch nicht wieder eingetroffen. Obst und Gemüse, per Flugzeug eingeflogen, sind aber genügend vorhanden.
Bis auf einige historische Häuser ist der Ort arktisch rustikal, zahlreiche Gerätschaften, neu und bereits ausrangiert liegen herum. Der Müllplatz liegt zwischen Friedhof und den historischen Häusern. Die neue Landebahn, 100 Meter über dem Ort mit Schotter errichtet, dominiert das Panorama. Was soll´s - in einigen Wochen wird wieder alles mit Schnee überdeckt sein.
Heute werden die gelben Säcke entsorgt, die vor jedem Haus stehen. Es gibt kein Entwässerungssystem - so befindet sich in diesen Säcken anderer recycelbarer Inhalt als in Deutschland, nämlich der der Toiletten.
Die Menschen sind hilfsbereit und freundlich, man kennt sich und grüsst sich auf der Strasse. Touristen kommen nur wenige hier her.