Sonntag, 5. Juni 2011

Kleine Odyssee



Gestern haben wir Kurs auf die Ostseite der Diskobucht genommen – nach Qasigiannguit. Der Wind ist launisch, meist schwach. Immer wieder gibt es dichten, kalten und nassen Schneeregen. Die Dichte an Eisbergen und Growlern nimmt nach Osten hin immer mehr zu. Bei der schlechten Sicht hilft das Radar. Ob der Hafen von Qasigiannguit schon eisfrei ist, wissen wir nicht. Die Verhältnisse ändern sich zur Zeit sehr schnell. Aus 2 Seemeilen Entfernung sehen wir eine scheinbar undringliche Mauer von Eisbergen angestaut an der Küste. Näher dran findet sich, indem wir Slalom fahren doch ein Weg um Eis und Inseln. Ab und zu ist etwas von der Hafenbucht zu erkennen – allerdings kein Wasser, sondern eine durchgehende Wintereisfläche.

Wir boxen uns weiter voran – kleinere Eisschollen können wir zerteilen. Ein eisfreier Kanal führt uns in die äußere Bucht und gibt den Blick auf den Hafen frei: Eine fast durchgehende Eisfläche, Fischkutter liegen im Eis. Dies sieht nicht sehr gemütlich für uns aus. Wir entschließen uns, es bei den 12 sm entfernten Grönne Ejland zu versuchen. Dort angekommen, finden wir keinen Durchschlupf durch die vor der Haupteinfahrt zur Bucht angestauten Eismassen. Es gibt aber noch einen 2. Weg – er führt durch 2 Seemeilen unvermessenes Gebiet mit Untiefen. Hier liegen Eisberge und Growler nicht so dicht, wir können uns vorsichtig zur Bucht vorantasten. Diese ist noch zu 80 % mit Wintereis belegt, in der Einfahrt können wir aber sehr gut ankern. Die Wassertiefe ist gering und so können uns die Eisberge nichts anhaben. Gleichzeitig bieten sie Schutz vor Schwell – wie eine Mole. Die Sonne kommt raus und wir können die einmalige eisige Umgebung genießen. Auf der Insel nahebei ist die größte Seeschwalbenkolonie Grönlands, man hört ihre tausendfachen Rufe.