Dienstag, 28. August 2012

Nugssuaq

Am sonnigen Hang hier oberhalb unseres Ankerplatzes bei Nugssuaq am Eingang zum Vaigat sammeln wir gemütlich Blaubeeren. Plötzlich hören wir den Blast mehrerer Wale, die auch bald in Sicht kommen. Die Gruppe Buckelwale passiert recht dicht unser Schiff. Ein Stück weiter scheint sie der Übermut zu packen, ein Wal springt fast komplett aus dem Wasser. Das Wasser spritzt wie bei einer kleinen Eisbergkalbung. Die Gruppe besteht aus 4 Tieren, eines offenbar ein Kalb. Sie hält sich länger unmittelbar am Ufer auf. Leider fehlt der Fotoapparat mit Tele, und als wir später zurück am Schiff sind, haben sich die Tiere wieder auf See verzogen.
Das gute Wetter hat uns die letzten Tage begleitet, wunderschön war die weite, leere Landschaft von Svartenhuk. Der Herbst hält Einzug, nachts sinkt die Temperatur bereits auf 0 Grad. Mücken und Fliegen gehören der Vergangenheit an. Am langen Sandstrand im Arfertuarssuk Fjord machen wir mit Treibholz ein kräftiges Lagerfeuer. Die Sonne geht unter. Stille. Kein Mensch über zig Kilometer, ein Fjord ganz für uns allein. Auf dem Weg nach Süden haben wir teils guten Wind. Was will man mehr.

Freitag, 17. August 2012

Kleiner Foehnsturm bei Upernavik

Und hier unser 3. Post von heute: In der Nähe von Upernavik machen wir mit Anker und 4 Landleinen in einer kleinen Bucht fest. Ein kleines Motorboot läuft auf uns zu. Mit Zeichensprache und Wortbrocken halten wir einen Schnack mit Hans, einem einheimischen Fischer. Zum Abschied schenkt er uns einen großen Dorsch. Starker Südost ist angesagt. Südostwind kann hier örtlich in Richtung und Stärke sehr unterschiedlich sein und bisweilen Sturmstärke erreichen. Und so kommt es auch. Die Temperatur steigt von 6 auf 17 Grad, Anzeichen für Föhn. Heute Morgen setzten dann die Böen ein und erreichten 10 Bft. Wir freuen uns, dass wir sicher an zig-Tonnen schweren Ufersteinen festgemacht haben. Schon mittags lässt der Wind wieder abrupt nach.

Melvillebucht und wieder Richtung Sueden Teil 2

Melvillebucht und wieder Richtung Sueden Teil 1

Endlich haben wir Zeit, mal wieder zu posten. In der Nähe von Upernavik warten wir ab, bis sich der anhaltende Südostwind ausgeweht hat. Nur einen Tagestörn nach Norden von Nugssuaq aus erreichten wir die Melvillebucht. Nach der Rundung der imposanten Halbinsel Holmö kam der sehr markante Berg „Devil´s Thumb" in Sicht. Er markiert die Südseite der Melvillebucht . Die Melvillebucht war früher Fanggebiet für die Grönlandwale und von den alten Walfängern wegen der Eisverhältnisse und dem Nebel gefürchtet. Rührt daher der etwas dramatische Name Devil´s thumb ? Man könnte den Berg sonst freundlicher einfach auch als „thumb" bezeichnen. Auf der topografischen Karte (1:250.000) entdecken wir, fast nur mit der Lupe zu erkennen, eine winzig kleine Bucht, die sich als wunderbarer Ankerplatz für 2 ruhige Tage entpuppt. Von dem 583 Meter hohen Inselberg haben wir einen tollen Ausblick nach Osten auf das Inlandeis und nach Norden in die Melvillebucht. Eine Unzahl großer Eisberge treibt dort, in der Ferne teilweise verdeckt durch Nebelfelder - wirklich beeindruckend. Eine längere Zeit mit Südwind ist angesagt, deswegen nutzen wir noch den Nordwest und segeln in 2 Tagen wieder zurück in die Nähe von Upernavik. Die holländische Bark „Rembrandt van Rijn" begegnet uns. Sie ist unterwegs mit zahlenden Gästen. Außer wenigen Motorbooten mit Einheimischen sehen wir sonst keine weiteren Yachten oder Schiffe.

Montag, 6. August 2012

Arktischer

Starkwind und Sturmböen fallen mal von Backbord, mal von Steuerbord ein. Ab und zu wird das Wasser aufgerissen, dann wieder Flaute. An diesem geschützten Ankerplatz, hinter hohen Bergrücken warten wir das schlechte Wetter ab. Leider haben die Berge auch eine extreme Böigkeit zur Folge. Hier so weit oben im Norden Grönlands sind die Landmassen schon recht klein, man muss sich also mit den wenigen geeigneten Ankerplätzen begnügen.
Erlebnisreiche Tage liegen hinter uns. 3 Tage ankerten wir in einer Bucht, rundum umgeben von einer kahlen Mondlandschaft aus Felsen. Als wir ankamen, war die Bucht voller Eis, nur wenig Platz für die Polaris. Die Wassertiefe ist über 20 Meter, ungünstig, da so sehr großes Eis die Polaris bedrohen kann, wenn wir nicht an Bord sind. Schließlich finden wir dicht unter Land eine Wassertiefe von 6 Metern, wo wir das Schiff mit 2 Landleinen und Anker auf Position halten können. Wir hoffen, dass sich keine kleineren Eisblöcke in den Leinen verfangen. Ein weiter draußen liegender gigantischer Eisberg erzeugt später Kalbungswellen, die in die Bucht laufen. Wir sind froh, dass wir so gut festgemacht haben. 2 Tage mit Traumwetter ermöglichen uns Wanderungen auf umliegende Berge. Die Vegetation ist hier sehr spärlich. Keinerlei menschliche Spuren sind zu sehen. Die Ausblicke auf das Inlandeis und die Fjorde atemberaubend. Später kommt Nebel auf und die einsame Stimmung wird dadurch noch unterstützt. Die 3. Nacht in der Bucht wird unruhig. Stürmische Böen aus Südost fallen sehr plötzlich ein, treiben das Eis aus der Bucht. Eine 3. Landleine wird ausgebracht, um den Anker zu unterstützen. Sicher ist sicher.
An dem Bach, der sich in die Bucht ergießt, können wir wunderbar Wasser bunkern. Beim Auslaufen lavieren wir uns durch die zahlreichen kleineren und größeren Eisberge, die die Einfahrt der Bucht fast blockieren. Für einige Stunden ankern wir vor einer kleinen Insel, die früher bewohnt war. Zahlreiche Knochen, mit Tran überzogener Fels und Reste großer Torfsoden zeugen noch davon. Eine Nacht verbringen wir vor dem kleinen Ort Nugssuaq, der vom Wasser aus recht trostlos wirkt. Wir gehen nicht an Land, auf dem Weg zurück nach Süden werden wir hier später wohl noch einmal ankern.
In den nächsten Tagen wollen wir die Melvillebucht erreichen. Ab dort werden auf ca. 200 km die Landmassen fast vollständig von der Abbruchkante des Inlandeises abgelöst. Dies soll dann der nördlichste Punkt der Reise sein.