Montag, 6. August 2012

Arktischer

Starkwind und Sturmböen fallen mal von Backbord, mal von Steuerbord ein. Ab und zu wird das Wasser aufgerissen, dann wieder Flaute. An diesem geschützten Ankerplatz, hinter hohen Bergrücken warten wir das schlechte Wetter ab. Leider haben die Berge auch eine extreme Böigkeit zur Folge. Hier so weit oben im Norden Grönlands sind die Landmassen schon recht klein, man muss sich also mit den wenigen geeigneten Ankerplätzen begnügen.
Erlebnisreiche Tage liegen hinter uns. 3 Tage ankerten wir in einer Bucht, rundum umgeben von einer kahlen Mondlandschaft aus Felsen. Als wir ankamen, war die Bucht voller Eis, nur wenig Platz für die Polaris. Die Wassertiefe ist über 20 Meter, ungünstig, da so sehr großes Eis die Polaris bedrohen kann, wenn wir nicht an Bord sind. Schließlich finden wir dicht unter Land eine Wassertiefe von 6 Metern, wo wir das Schiff mit 2 Landleinen und Anker auf Position halten können. Wir hoffen, dass sich keine kleineren Eisblöcke in den Leinen verfangen. Ein weiter draußen liegender gigantischer Eisberg erzeugt später Kalbungswellen, die in die Bucht laufen. Wir sind froh, dass wir so gut festgemacht haben. 2 Tage mit Traumwetter ermöglichen uns Wanderungen auf umliegende Berge. Die Vegetation ist hier sehr spärlich. Keinerlei menschliche Spuren sind zu sehen. Die Ausblicke auf das Inlandeis und die Fjorde atemberaubend. Später kommt Nebel auf und die einsame Stimmung wird dadurch noch unterstützt. Die 3. Nacht in der Bucht wird unruhig. Stürmische Böen aus Südost fallen sehr plötzlich ein, treiben das Eis aus der Bucht. Eine 3. Landleine wird ausgebracht, um den Anker zu unterstützen. Sicher ist sicher.
An dem Bach, der sich in die Bucht ergießt, können wir wunderbar Wasser bunkern. Beim Auslaufen lavieren wir uns durch die zahlreichen kleineren und größeren Eisberge, die die Einfahrt der Bucht fast blockieren. Für einige Stunden ankern wir vor einer kleinen Insel, die früher bewohnt war. Zahlreiche Knochen, mit Tran überzogener Fels und Reste großer Torfsoden zeugen noch davon. Eine Nacht verbringen wir vor dem kleinen Ort Nugssuaq, der vom Wasser aus recht trostlos wirkt. Wir gehen nicht an Land, auf dem Weg zurück nach Süden werden wir hier später wohl noch einmal ankern.
In den nächsten Tagen wollen wir die Melvillebucht erreichen. Ab dort werden auf ca. 200 km die Landmassen fast vollständig von der Abbruchkante des Inlandeises abgelöst. Dies soll dann der nördlichste Punkt der Reise sein.